Mit meiner lieben Kollegin Sonja Hollerbach, Expertin für das Thema Feedback, hatten wir heute das Thema Schwächen in ihrer Facebook Gruppe, Zeit für Wertschätzung. Beantwortet haben wir die Frage eines Community Mitgliedes.
Und auch wenn ich mich vorher schon darauf vorbereitet habe, ist mir eben im Live nochmal bewusst geworden, wie wenig Platz in unserer Gesellschaft Schwächen haben und vorhanden sein dürfen.

Angefangen in der Schule, wo Schwächen ausgemerzt und verbessert werden müssen, ja in den wichtigen und wirklich lebensnotwendigen Fächern wie Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten auch nachvollziehbar. Aber Schwächen sind somit schon von frühester Zeit an negativ behaftet. Hast du eine Schwäche, hast du einen Fehler der nicht da sein darf. Ganz weit runter gebrochen könnte man fast sagen, Schwäche = nicht gut genug sein.
Immerhin führt schon in der Schule die Schwäche in einem Fach, im allerschlimmsten Fall sogar zum Sitzen bleiben. Man wird im gesamten dafür bestraft, dass man in einem Bereich eine Schwäche hat, abgewertet und beurteilt.

Gesehen werden dann nicht mehr die Stärken die man hat oder der Wille. Nein eine Schwäche führt zu einer gesamten negativen Bewertung. Später dann, wenn man ins Berufsleben wechselt, hört man auf einmal, du musst deine Stärken stärken und deine Schwächen ignorieren. Schon wieder werden Schwächen diskriminiert und man will sie möglichst nicht sehen, hören und schon gar nicht offen darüber sprechen. Geprägt aus der Schulzeit, in der wir für unsere Schwächen als Mensch im ganzen verurteilt werden, will man dann später im Berufsleben auch nichts damit zu tun haben.

Jeder hat Schwächen! Aber zeigen darf man sie nicht.

Ich möchte jetzt hier niemanden dazu aufmuntern sich auf seinen Schwächen auszuruhen. Manchmal braucht man Disziplin, Ausdauer und auch den Willen destruktive Schwächen zumindest soweit zu bearbeiten, dass man (oder auch die Welt) damit leben kann. Aber wozu führt dieses abwerten und ausblenden von Schwächen?
Wir verstecken sie, weil wir Angst haben dadurch halt wieder bewertet, verurteilt und abgewertet zu werden. Wir versuchen sie zu umgehen, zu überspielen, durch irgendetwas anderes auszugleichen. Kurz gesagt, wir versuchen sie im außen zu überspielen und stark zu sein, doch im innen wissen wir, dass sie da sind und werten uns selbst dafür ab. Weil es ja schon immer so gemacht wurde, mit uns und unseren Schwächen und Fehlern.

Diese Schwächen, werden für viele Menschen zu den Fehlern ihrer Persönlichkeit.
Ich bin nicht gut genug, nicht liebenswert genug, nicht schlau genug…… Das sind Glaubenssätze die dann entstehen.
Weil wir einfach nie gelernt haben, dass es auch ok ist Schwächen zu haben und das JEDER Schwächen hat. Und weil wir selbst keine Schwächen haben dürfen, erlauben wir es auch keinem anderen. So funktioniert das System, ein Kreislauf aus verstecken, abwerten, ignorieren und verdrehen.

Kennst du deine Schwächen?

Und damit kommen wir gleich zum nächsten Step in diesem Kreislauf. Kennst du deine Schwächen? Kannst du sie ganz genau benennen? Und weißt du auch was es für eine Schwäche ist? Etwas im Bereich Wissen, Kompetenz oder ein Persönlichkeitsmerkmal? Nur weil du vielleicht nicht Skifahren kannst, muss das keine Schwäche sein, wenn du es gar nicht tun willst. Bist du jedoch sehr ungeduldig oder Schüchtern, könnte dich das immer mal wieder in Herausforderungen bringen. In dem Moment wo du dir auch mal darüber Gedanken machst, ohne dich dabei gleich abzuwerten, entsteht die größte Chance für Wachstum und eben dann aus einer Schwäche eine Stärke zu machen.

Die größte Herausforderung für viele ist dabei, deinen Wert als Mensch nicht von diesen Schwächen abhängig zu machen. Du bis kein schlechterer Mensch, wenn du vielleicht Temperament hast, etwas ungeduldiger bist oder wie ich, eine Aversion gegen Excel hast. Dich als Mensch machen ganz andere Dinge aus, das sind vielleicht einige deiner Special-Effekts aber sie machen dich nicht wertvoller oder unwichtiger. Und vor allem, wenn das für dich gilt, gilt das auch für alle anderen Menschen und ihre Schwächen.

Zu seinen Schwächen stehen zu können ist Selbstbewusstsein!

Selbstbewusstsein bedeutet ja, sich seiner selbst bewusst zu sein. Und dazu gehören Schwächen genauso wie die Stärken. Das alles macht dich als Mensch aus. BEIDES!
Und vor allem zeigen dir auch beide Seiten wo du wachsen und dich verbessern kannst. Das eine stärken, das andere verbessern.
Ein großes Ego und so zu tun als ob man alles weiß und alles kann, ist definitiv kein Ausdruck von Selbstbewusstsein. Bei meinen Coachings und auch aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, hinter einem großen Ego verbirgt sich ganz viel Angst, Trauer und Unsicherheit. Aber das soll hier jetzt nicht weiter erläutert werden. (Bei Fragen dazu schreib mir gerne.)

Zurück zu den Schwächen und das dazu stehen können. Spannender weise zeigt meine Erfahrung, und auch der meiner Coaching und Trainingsteilnehmer, sobald man seine Schwächen offen kommuniziert, nachfragt und dazu steht, lösen sich Anspannungen, Konflikte und viele andere Dinge fast wie von selbst. Mit einer Voraussetzung, dem Willen mit dem anderen eine Lösung zu finden und selbst an seiner Schwäche arbeiten zu wollen. Sich hinzustellen und zu sagen, so bin ich eben und das ist halt so, bringt wirklich absolut gar nichts. Weil in diesem Moment wieder nur das Ego am Werk ist. Sich einer Schwäche bewusst zu sein und daran zu arbeiten und sie deswegen zu kommunizieren ist etwas anderes, wie du sicher merkst.

Nicht nur, dass du dazu lernen kannst, nein auch der andere darf Mensch sein. Muss keine Masken aufsetzen und so tun als ob er alles könnte. Wenn sich zwei Menschen mit ihren Schwächen auf Augenhöhe begegnen, dann ist Wachstum möglich. FÜR BEIDE!
Der eine kann dann vom anderen lernen ohne abgewertet zu werden, man kann sich Sachen und Aufgaben aufteilen, so dass zum Beispiel im beruflichen Kontext die Aufgabe einfach schneller erledigt wird. Man kann sich gegenseitig unterstützen, fördern und voneinander lernen. Hört sich zu schön an um wahr zu sein?

Wenn du deine Mauern fallen lässt,
kann es dein Gegenüber auch!

Und hier kannst du dann deine Schwächen umwandeln in Stärken. Nicht nur das du an deinen Schwächen arbeiten kannst und viel mehr Hilfe bekommst als vorher. Nein deine Mitmenschen, Kollegen und dein Partner werden sich bei dir wohler fühlen, weil sie eben nicht mehr perfekt sein müssen. Und so ist es möglich gemeinsam zu wachsen (wie schon einige Male im Beitrag geschrieben) sich zu unterstützen, voneinander zu lernen, das Team zu stärken, Authentisch zu sein und aufzuhören sich selbst und andere für Schwächen abzuwerten, verurteilen und schlecht zu machen. Etwas was dann ganz automatisch passiert ist, dass dein Gegenüber dir auch entgegen kommt, dich unterstütz und darauf Rücksicht nimmt. Solange du selbst auch bereit bist, dass für dein Gegenüber zu tun.

Ich meine wir sind ja jetzt erwachsen und schon einige Jahre aus der Schule raus, warum also uns selbst und alle anderen so behandeln als würden man sitzen bleiben wegen einer Schwäche 😉

Über das Thema, wie man seine Stärken und Schwächen erkennt, habe ich vor einiger Zeit schon mal einen Beitrag geschrieben, ich füge ihn dir hier mal ein. Dort findest du auch eine sehr gute Übung um deine Außenwirkung zu prüfen. Manchmal glauben wir auch nur etwas ist eine Stärke oder Schwäche und dabei nehmen andere Menschen es ganz anders wahr.

Blogbeitrag vom 11.11.2018

Vielleicht probierst du es mal aus, vielleicht auch nicht. Ans Herz legen kann ich es dir. Ich verspreche dir du wirst nicht sitzen bleiben und es werden fast alle Menschen positiv reagieren, wenn du deine Schwächen offen aussprichst.
Und lass mich wissen, wie es für dich ist, offen mit deinen Schwächen zu leben. Ich bin mir sicher, es wird vieles dadurch einfacher.

Alles Liebe deine
Erika