In den letzten Tagen beschäftigt mich das Thema, Entscheidungen. Zum einen auch, weil ich mich vor 6 Monaten dazu entschieden habe, meinen Blog offline zu nehmen und ihn jetzt wieder online gestellt habe.
Zwei Entscheidungen die sich ja eigentlich widersprechen, könnte man meinen oder so könnte es für den einen oder anderen wirken.
Leicht ist es mir nicht gefallen, auch mich haben Gedanken geplagt, was wohl die Leute denken sollen.

„Wenn du dich für etwas entschieden hast, musst du es durchziehen!“
„Du wirkst nicht konsequent und entschlossen,
wenn du dich umentscheidest!“

Das sind Sätze die man gerne mal zu hören bekommt, aber ist es wirklich so? Können sich Ansichten, Vorlieben und die eigene Meinung nicht ändern? Das Leben und wir selbst verändern uns täglich, warum darf sich nicht auch eine Entscheidung die man getroffen hat verändern.

Aber was passiert, wenn dir eine Entscheidung getroffen haben. Es verändert sich etwas in unserem Leben, etwas was wir tun oder eben nicht mehr. Dabei finde ich, ist gar nicht die Entscheidung an sich das wichtige, sondern was sie mit sich bringt und zwar eine Veränderung (zumindest in den meisten Fällen). Und kann man nicht dann, während man den neuen Weg geht merken, dass ist es irgendwie auch nicht und für sich eine neue Entscheidung treffen? Die vielleicht sogar, wie in meinem Fall wieder ein Stück in die andere Richtung geht?

Und kann das nicht auch bedeuten, dass man seine alten Entscheidungen revidiert und dazu steht, dass es vielleicht doch nicht ganz das war was man wollte, oder es sich gezeigt hat, dass es anders ist als vorab gedacht.
Jede Entscheidung ist die Richtige, in dem Moment in dem man sie trifft und hätte man sich gegen diese Erfahrung gestellt, hätte man ja auch nicht erfahren können, dass das Herz doch für etwas anderes schlägt, man sich vielleicht geirrt hat oder man aus dieser Erfahrung lernt, was man nicht will.

Doch das Problem ist meistens weniger, dass man nicht selbst merkt, dass man gerne etwas wieder ändern würde, sondern die Scham, wenn man den Menschen davon erzählen muss. Die Angst und Ablehnung, das man unentschlossen oder gar verwirrt wirken könnte, ist das was einen oft davon abhält sich doch wieder um zu entscheiden. Und so bleibt man eher bei einer Entscheidung, die einen auf Dauer unglücklich macht, als seinem Herzen zu folgen. Wer stellt sich schon gerne den bohrenden Fragen der andere, Warum, Wieso, was willst du jetzt machen, wie schaut das auf deinem Lebenslauf aus (nur als Beispiel wenn es um einen Job geht), bist du dir sicher…..

Ähhh Nein, sicher ist man sich glaube ich nur wirklich selten im Leben!

Wäre man sicher gewesen, dass dies die richtige Entscheidung gewesen wäre, würde man ja jetzt nicht wieder etwas verändern wollen. Ich glaube, sich wirklich sicher sein, kann man nie ganz. Das einzige was einem dabei hilft, ist seine Intuition. Diese zarte kleine Stimme in einem, die immer dann auftaucht, wenn man manchmal lieber rational alles ergründen würde. Es ist dieses Gefühl, dass die rationalen Überlegungen zwar nachvollziehbar sind aber nicht für einen passen und irgendwie drücken.

Es gibt glaube ich nur wenige Entscheidungen die man nicht hin und wieder in Frage stellen sollte, vor allem wenn sie nur einen selbst betreffen. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass ich Beziehungen nicht in diese Kategorie zähle. Hier bin ich aufgrund vieler verschiedener Dinge, davon überzeugt, dass man, wenn man sich einmal entschieden hat mit einem Menschen den Rest seines Lebens zu verbringen, dies auch durchziehen sollte. An Beziehungen sind immer zwei Herzen beteiligt und natürlich ist es arbeit, sobald die Verliebtheits-Phase vorbei ist, doch gibt es kaum andere Bereiche in denen man so wachsen kann wie in einer Beziehung.

Für mich steht das nicht im Widerspruch andere Entscheidungen des Lebens auch mal zu revidieren, denn ob ich meine Haare schneide, ein anderes Hobby ausprobiere oder vielleicht sogar einen neuen Job nach ein paar Monaten kündige, hat überwiegend Auswirkungen auf das eigene Leben. Eine Beziehung zu beenden, nur weil es gerade etwas unangenehm ist und herausfordernd und damit einem anderen Menschen das Herz zu brechen, hat ganz andere Auswirkungen auf denjenigen der da auch noch beteiligt ist.

Unsere Welt verändert sich, die Wirtschaft verändert sich, man selbst verändert sich, warum sollten nicht auch einmal Entscheidungen sich ändern dürfen, ohne dann gleich von allen verrückt gehalten zu werden oder bis auf die Unterhose ausgefragt. Wäre es nicht toll, wenn man einfach in den Arm genommen wird, wenn man selbst unsicher ist und versucht für sich eine Lösung zu finden, anstelle ständiger moralischer Lebensweisheiten präsentiert zu bekommen? Und wenn man keine Angst vor Unverständnis, Ablehnung oder bohrenden Fragen haben müsste? Würden uns dann Entscheidungen leichter fällen, vielleicht würden wir in einen viel offeneren Austausch gehen und so die verschiedenen Möglichkeiten gemeinsam beleuchten. Irgendwie eine schöne Vorstellung, finde ich 🙂

Deine Erika @diemithut