Wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, bin ich für ein paar Tage in Berlin gewesen, heute Abend geht es für mich wieder retour nach Wien. Besucht habe ich eine ganz besondere Freundin, eine Berlinerin, die ich während ihres Studiums in Wien kennengelernt habe. Berlin und ich sind eigentlich nicht unbedingt dicke Freunde, die ersten Male als ich hier war, waren eine Katastrophe. Mit 14 auf einer Klassenfahrt wurde ich von Heroinjunkies angepöbelt (ich bin am Land aufgewachsen und das war ein riesen Kulturschock), beim zweiten Mal hab ich mir eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und beim dritten Mal wurde in mein Auto eingebrochen.

Alle guten Dinge sollte man drei Mal probieren, sagt man ja!

Doch Berlin war auch beim dritten Mal eine Katastrophe. Nun ja, wie das Leben es so will lebt aber nun meine Freundin hier und wenn ich sie besuchen will, muss ich halt nach Berlin. So hab ich dieses Mal ein wenig Zeit gehabt, sie war am Freitag arbeiten und ich dachte mir, ich erkunde die Stadt. Gelandet bin ich in einem kleinen veganen Restaurant. Ein italienisch-afrikanisches veganes Restaurant, winzig klein und wunderschön. Eine Kombination, die man so nicht in Wien findet. Ich dachte mir, ich nutze die freie Stunde um den Blog Beitrag für die Woche zu schreiben, doch daraus wurde nichts. Als ich in diesem Restaurant mein Laptop auspacken wollte, sagte der Besitzer gleich zu mir, dass dort Laptops und Arbeit verboten sind und ich lieber gehen soll, wenn ich damit ein Problem habe. Etwas verdutzt packte ich meinen Laptop wieder ein und lies mich auf das ein, was dort passierte. Ich saß also dort und beobachtet die Menschen, die kleine Tochter von den Eigentümern, die spielte, andere Besucher, die sich unterhielten und die vielen kleinen Details des Restaurants. Etwas, was ich schon länger so nicht mehr gemacht habe. Nach dem Essen, ein unfassbar leckerer Humusteller mit Gemüse und Brot, fragte ich beim Zahlen, warum Laptops dort verboten sind. Bachir und Betta erklärten mir dann, warum.

Das AtayaCaffe steht für Wohnzimmeratmosphäre,
Gemeinsamkeit, Geselligkeit und Kommunikation.

Benannt wurde das Restaurant nach der Ataya Tee Zeremonie aus Afrika, dort wo Bachir herkommt. Er und seine Frau Betta (kommt ursprünglich aus Sardinien und ist die Köchin des Hauses) möchten einen Ort schaffen, an dem es anders ist, einen Ort, an dem miteinander gelebt wird und Raum, Platz und Zeit für Gemeinschaft möglich ist. Und das geht eben nicht, wenn die Menschen vor ihren PC´s versunken rum sitzen. Sie haben mir ein wenig über Ihre Geschichte erzählt, und ich ihnen davon, dass ich eigentlich meinen Blogbeitrag über Beziehungen schreiben wollte. Daraufhin zeigten mir die beiden hinten in der Ecke ihren *social table*, einen Tisch, der dafür da ist, Beziehungen und soziale Kontakte zu pflegen. Wenn also jemand dorthin kommt und Kontakt finden möchte, setzt er sich dorthin und andere, die auch Kontakt suchen, kommen dazu. Sie erzählten mir, dass schon einige Relationships (Beziehungen) dort entstanden sind. Im Englischen bedeutet dieses Wort nicht ausschließlich Beziehung zu einem Partner, sondern bezieht sich auf alle Beziehungen, die man mit Menschen hat, egal ob Freundschaft, Liebe, Kollegen oder was auch immer. Die Tatsache, dass ich an einem Ort gelandet war, der genau das wieder spiegelt, über das ich ursprünglich schreiben wollte, fand ich faszinierend.

Beziehungen sind mehr als nur die zum eigenen Partner, Beziehungen haben wir mit jedem Menschen, mit dem wir irgendwie zu tun haben.

Ob nah oder distanzierter ist dabei eigentlich egal. Dieser Ort hatte etwas Magisches, entspanntes und offenes, so dass man sich sofort wohl fühlt, wenn man sich für den Zauber der Begegnungen öffnen kann. Und das sollten wir Menschen viel öfter in unserem Leben machen, viel öfter sollten wir den Laptop oder das Handy mal weg legen und mit den Menschen, die da um uns herum sind, in Interaktion gehen. Viel öfter sollten wir neugierig fragen, wer der andere ist, warum etwas ist, wie es ist und uns auf neue Menschen einlassen. Auf seine Geschichte, seine Weltansicht und seine Träume. Jeder Mensch hat eine Geschichte und hinter allem, was wir tun, steckt ein Grund.

Nur wenn wir uns darauf einlassen, nachfragen und uns selbst dem anderen zeigen, ist Verbindung erst möglich!

Nur so können Beziehungen entstehen, wenn Menschen aufeinander zugehen. Mich hat das Gespräch mit den beiden, ihr Strahlen in den Augen, als sie mir erzählten, warum ihr Cafe ist wie es ist, gefesselt und ich werde sicher wieder dort vorbei schauen, wenn ich in der Stadt bin. Dies ist vielleicht eine sehr spezielle Begegnung gewesen, doch können wir überall spannende und interessante Menschen kennenlernen. Wir müssen uns nur trauen, aufeinander zuzugehen und uns öffnen für Neues, es wird immer belohnt!

Um das zu können brauchst du auch kein großes Selbstvertrauen oder ausgesprochen viel Mut, Neugier reicht völlig aus. Mach die Augen auf, schließ den Laptop, pack das Handy weg und schau dir die Welt an. Frage nach, wenn du was Neues siehst, jemanden interessantes kennenlernst und öffne dich für völlig neue Welten, genau in diesem Moment können wundervolle Begegnungen passieren und spannende Menschen in dein Leben treten!

Mir hat diese Geschichte selbst gezeigt, dass ich, obwohl ich schon sehr offen bin, manchmal einfach die Gewohnheit sein lassen muss, wieder öfter Neues ausprobieren sollte und vor allem mit geöffneten Augen durch die Welt gehen muss. Diesen *social table* hab ich nämlich übersehen, als ich durch das Cafe gegangen bin.

Hab eine wundervolle, aufregende und spannende Woche.
Deine Erika

Atayacaffe, Prenzlauer Berg, Berlin
*unbezahlte Werbung*