Respekt, Wertschätzung, Annahme und Verständnis sind die Dinge, die man sich von seiner Familie wünschen würde, doch ist das nicht immer der Fall.

Letztens wurde ich gefragt ob ich was über Familien Dynamiken schreiben kann und sicher sind Familien mit der schwierigste Bereich, wenn es um Kommunikation geht. Ich weiß ja nicht wie dein Familienleben so ist, meines ist nicht immer einfach, deswegen habe ich lange überlegt ob ich dazu was schreiben sollte. Im Laufe der Woche habe ich dann einige Gespräche über Konflikte, unausgesprochene Bedürfnisse und Auseinandersetzungen mitbekommen und mich doch dazu entschlossen, mit dir meine Erfahrungen über Familiendynamiken zu teilen.

Wenn man versteht, warum die Dinge so sind wie sie sind, kann man eine Menge auflösen, ist meine Erfahrung.

Wie du sicher schon mitbekommen hast, hatte ich keine allzu fröhliche Kindheit und auch heute noch sind im Umgang mit meiner Familie nicht alle Dinge perfekt. Ich gebe mir jedes Mal, wenn ich dort bin oder im Kontakt mit ihnen habe sehr viel Mühe, was mir aber tatsächlich nicht immer leicht fällt. Der Grund ist relativ simple und trotzdem die größte Herausforderung.

Selten begleiten uns Menschen im Leben so lange wie es die eigene  Familie tut, von klein auf ist man mit ihnen verbunden. Kinder entdecken die Welt und lernen die Welt zu verstehen, aus dem was sie bei den Eltern sehen. All das was wir im Laufe des erwachsen werden Zuhause erleben, wird gespeichert. Das Unterbewusstsein sammelt alle Eindrücke, Geschichten und Abläufe und hält dann diese Dinge für wahr. Bei mir zum Beispiel haben meine Eltern immer gestritten, deswegen habe ich unterbewusst in meinen früheren Beziehungen immer Streit provoziert, weil ich mich tatsächlich unwohl gefühlt habe wenn mal alles gut war. Ich weiß hört sich komplett bescheuert an aber glaub mir es wahr so.

Als Kinder lernen wir wie Beziehungen, Liebe und halt alle Dinge funktionieren von unseren Eltern. Das ist unsere Wahrheit! Dabei spielt es keine Rolle, ob das was wir da lernen gut oder schlecht ist, wir nehmen diese Dinge an und zwar alle. Selbst wenn wir später in unserem Leben entscheiden, das wir ein anderes Leben und andere Beziehungen führen wollen, sitzen aber diese Muster sehr sehr tief.

Wir übernehmen diese Dinge,
weil wir es so vorgelebt bekommen haben.

Ein anderes Beispiel ist aus meinem Leben, das ich erst Kuscheln und Liebkosungen in meiner ersten langen Beziehung gelernt habe, in meiner Kindheit (bis auf die Babyzeit) oder zwischen meinen Eltern gab es das nicht. Als ich damals in dieser Beziehung war, war es tatsächlich etwas neues und am Anfang extrem ungewohnt und schwierig für mich, so viel liebevolle Körperliche Nähe zu bekommen und auch heute brauche ich ein wenig Zeit, bis ich diese liebevollen körperlichen Gesten (Kuscheln, Schmusen, Händchenhalten, Umarmen ect.) von mir aus bei jemandem machen kann.

Das hat nichts damit zu tun das ich das nicht super gerne habe, aber die kleine Erika in mir hat es nie gelernt und nicht automatisch als normal kennengelernt. Solche Prägungen können in allen Bereichen stattfinden, wie man mit Streit umgeht, wie man Konflikte löst, wie man Probleme bewältigt, wie man Beziehungen zu Freunden oder einem Partner führt, einfach in jedem einzelnen Bereich deines Lebens spielen diese Prägungen einen Rolle. Man kann es sich tatsächlich so vorstellen, ein Kind kommt auf die Welt und hat keine Ahnung was da passiert.

Damit es überleben kann, nimmt es alles was da um es passiert auf.

Eltern sind für ihre kleinen Kinder die Helden, sie brauchen sie zum Überleben. Sie wollen den Eltern gefallen und deswegen passen sie sich an. Ich meine woher soll ein kleines Kind auch wissen, dass die Dinge anders sein könnten, es hat ja nur seine eigenen Eltern von dem es Dinge lernt.  Diese Phase findet ca. bis zur Pubertät statt, dann wird mal rebelliert und alle Werte in Frage gestellt, was wichtig ist um zu sich selbst zu finden. Jedoch bleiben eben viele der Muster und Prägungen bestehen. Die Kindheit ist eine der wichtigsten und folgenschwersten Phase in unserem Leben, wenn du wie ich, nicht aus einer Familie kommst die gesund und heil ist, kann es sein das man sein ganzes Leben braucht um die Dinge zu ändern.

Versteh mich nicht falsch, das ist kein Vorwurf an die Eltern, auch an meine nicht. Die haben es ja auch nicht anders gelernt. Eltern nehmen diese Dinge von ihren Eltern mit und die wieder von ihren. Dieser Kreis kann sich über viele Generationen spielen, bis man anfängt diese Muster zu lösen. Ich habe mich sehr intensiv mit meinen Familien Dynamiken auseinandergesetzt, weil ich einfach nicht möchte das ich das an meine Kinder weiter gebe. Mir hat es im Umgang mit meiner Familie sehr geholfen zu verstehen, was da eigentlich abgeht. Den auch meine Geschwister haben diese Prägungen und das hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Meine Geschwister provozieren zum Beispiel auch ständig Streit in ihrem Leben oder können kaum konstruktive Diskussion führen, wo jeder seine Meinung sagen darf, es ist fast unmöglich. Das hat aber nichts mit mir zu tun, denn sie folgen auch nur ihren Prägungen.

Seit ich das verstanden habe, bin ich viel gelassener und nehme mich raus, sobald ich merke in welche Richtung das ganze geht, das schaffe ich meistens aber auch noch nicht immer. Prägungen können aber auch in die andere Richtung gehen, ich hab zum Beispiel eine Freundin die in einer sehr behüteten Familie aufgewachsen ist wo Konflikten aus dem Weg gegangen worden ist, das tut sie heute noch und ihr fällt es manchmal schwer sich durchzusetzen. Diese Prägungen können wirklich in allen Bereichen sein, zum Beispiel bei der Partnerwahl, Freundschaften, Jobs und in jeder einzelnen zwischenmenschlichen Interaktion die wir haben. Unser Unterbewusstsein sorgt und sucht nach Menschen die unsere Muster und Prägungen bedienen, weil es diese ja kennt und damit umgehen kann.

Wie du merkst ist dieses Thema unendlich groß und betrifft sehr vielen Ebenen. Es dauert Jahre das aufzulösen und kann am Anfang auch sehr weh tun. Aber es lohnt sich, glaub mir.

Aufgrund dieser Komplexität kann ich dir auch keine, wie sonst einfache Übung mitgeben, das wäre sehr fahrlässig von mir. Was ich dir nur ans Herz legen kann ist, versuch deine Familie objektiv zu betrachten. Das bedeutet, ohne Meinung ganz neutral. Was für Muster kannst du erkennen, ist vielleicht deine Beziehung ein bissl wie die deiner Eltern? Und sind deine Freundschaften die du hast so ähnlich, wie die die deine Eltern führen? Ich bin mir sicher da gibt es Übereinstimmungen, schau mal ganz genau hin ohne zu bewerten.

Ein Buch was mir unglaublich geholfen hat, viele viele Dinge zu verarbeiten und zu aufzulösen ist das Buch: Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl, inklusive dem Workbook dazu. Sie ist Psychologin und die Expertin im deutschsprachigen Raum für diese Thematik. Dieses Buch hat für mich alles verändert. Ich konnte meinen Eltern verzeihen und das was da in meiner Kindheit abgelaufen ist, aus einer völlig neuen Perspektive betrachten. Ich weiß heute, und angefangen hat alles mit diesem Buch, wo ich meine Grenzen bei meiner Familie setze und alte sehr tiefe Wunden auflösen kann.

Wut, Enttäuschung, Hilflosigkeit und Angst bearbeiten und anfangen die Beziehungen zu verbessern. Was ich demnächst auch noch machen möchte ist eine Familienaufstellung, ich hab schon sehr viel davon gehört und es soll wirklich Wunder bewirken.

Erfolg beginnt zu Hause und jeder ist verantwortlich, dafür zu sorgen, glaube ich. Wie auch in keinem anderen Bereich des Lebens, kann das jemand anderer für uns machen. Die Entscheidung liegt ganz alleine bei dir, ob du ein liebevolles Familienleben führen möchtest oder nicht. Und selbst wenn du der oder die einzige bist, die mit diesen Themen arbeitet, bist du jemand der diese Dinge auflöst. Es geht ja um dich und deine eigene Familie für die du das tust und damit etwas veränderst.

Alles Liebe
Deine Erika