Wie oft streitest du dich?

Das Ergebnis einer Umfrage zur Streithäufigkeit in Beziehungen ergab, dass 58 % der Pärchen 1 bis 2 Mal im Monat streiten. Diese Umfrage ist von 2015, wenn ich mich so in meinem Umfeld umhöre, glaube ich nicht dass es besser geworden ist. Irgendwie gehört Streit bei vielen dazu. Hin und wieder müssen sogar die Fetzen fliegen, damit man Lebendig bleibt, besagt eine Binsenweisheit. Aber muss das sein? Nein, ich glaube definitiv nicht! Und das glaube ich, weil ich selbst mal eine der streitlustigsten Personen gewesen bin, die ich kenne. Bei mir war es normal, dass man regelmäßig gestritten hat, damit bin ich aufgewachsen. Als ich dann in eine WG gezogen bin, habe ich gelernt, dass man mit Konflikten und Auseinandersetzungen auch anders umgehen kann. Sicher ist die Beziehungsdynamik eine andere als mit Freunden, doch gibt es für jede Art von Streit auch Lösungen bzw. Herangehensweisen, das es erst gar nicht dazu kommt.

Streit
heftiges Sich auseinandersetzen, Zanken [mit einem persönlichen Gegner] in oft erregten Erörterungen, hitzigen Wortwechseln, oft auch in Handgreiflichkeiten
„ein erbitterter, ernsthafter Streit“

ist die Wörterbuch- Definition von Streit und diese Art von Streit meine ich auch. Situationen in denen man einen emotionalen Ausbruch hat, verletzend wird und sich eigentlich immer weiter rein in das ganze steigert. Verletzend, traurig und einfach unschön. Die Auswirkungen können, wie immer in zwischenmenschlichen Begegnungen, verschieden sein. Man zieht sich zurück und ist beleidigt, man feuert sämtliche verbalen Waffen ab die man hat oder es kommt, im schlimmsten Fall, zu körperlicher Gewalt. Für mich ist ein Streit, das Stadium in dem nicht mehr konstruktiv miteinander gesprochen wird, sondern beide Parteien versuchen zu gewinnen. Ich habe Recht – du nicht!

Die Emotionen bei einem Streit sind in der Regel, Zorn, Wut, Traurigkeit und Hilflosigkeit und alle heftigen Emotionen drücken das Bedürfnis nach Verständnis aus.

Diese Emotionen sind wichtig, sie zeigen uns was uns am Herzen liegt und meistens wo wir mit uns selbst ein Problem haben. Streitet ein Pärchen zum Beispiel über den Hausmüll, geht es im Grunde darum, das man gesehen werden möchte und sich Unterstützung und Wertschätzung wünscht. Das Problem ist, das sich die meisten überhaupt nicht bewusst über ihre eigenen Bedürfnisse sind und das Verhalten des anderen als Ursache für die Verletzung nehmen. Nur weil der andere den Müll nicht raus bringt, bedeutet es ja nicht dass er einen nicht liebt.

Über das Thema Bedürfnisse werde ich noch einen eigenen Beitrag schreiben, er ist riesig. Heute möchte ich dir hier aber 4 Schritte mitgeben das es beim nächsten Konflikt nicht zu einem verletzenden Streit kommt.

  1. Wenn du merkst das sich die Situation gerade hochschaukelt: Sprich es an.
    Sag ganz offen das du das Gefühl hast, dass es hier gerade stark Richtung Streit geht und das du das nicht möchtest. Der andere wird erst Mal verwundert schauen, erklär ihr oder ihm offen und wertschätzend, warum du hier jetzt nicht Streiten möchtest. z.B. in einer Beziehung: Ich liebe dich und deswegen möchte ich nicht mit dir streiten. Oder bei Freunden: Ich glaube wir kommen bei dem Thema jetzt nicht zusammen, lass uns das kurz pausieren, ich mag dich und du bist mir wichtig, deswegen möchte ich nicht mit dir streiten.
  2. Macht euch eine Pause aus. Meine Mitbewohnerin und ich haben damals, immer wenn wir gemerkt haben es läuft auf einen Streit hinaus, uns in unsere Zimmer verzogen. Sobald wir wieder Emotional beruhigt waren, haben wir ein paar Tage später weiter über das Thema gesprochen. Wir haben nicht einmal gestritten aber eine Menge sehr inspirierender konstruktiver Gespräche geführt. Um eine Pause zu machen könnt ihr euch auch ein Code- Wort oder Phrase ausmachen. Zum Beispiel: Der Rasen muss gegossen werden, da ist Kuchen im Kühlschrank oder was euch beiden am besten passt. Wenn nun einer von beiden das sagt, weiß der andere, es ist eine kleine Pause nötig und der andere akzeptiert das. Dann gebt ihr euch die Zeit, die jeder braucht, bis sich beide beruhigt haben. Diskussionsthemen laufen nicht weg, keine Sorge. Erst wenn beide wieder klar denken können und die starken Emotionen abgeflacht sind, wird weiter über das Thema gesprochen.
  3. Hör auf Recht haben zu wollen.
    Viele wollen beim Streit Recht haben, du hast das und das gemacht (oder gesagt, oder die Meinung) und das war/ist falsch. Gib es zu! Ganz platt gesagt ist das in den meisten Fällen die Struktur. In solchen Momenten will der Verletze die Bestätigung dafür haben, das er verletzt wurde und macht dem anderen Vorwürfe. Bei liebevollen Beziehungen geht es aber in keinem Moment ums Recht haben, es geht um die Wertschätzung des anderen und dazu gehört auch, zu akzeptieren das der andere eine eigene Meinung und Einstellung haben darf.
  4. Mach dir bewusst was der eigentliche Grund für den Streit ist. Nehmen wir das Beispiel Müll nochmal, der Müll ist nicht der Grund. Es ist das was man da hinein projiziert. Es ist auch nie das nicht zurück schreiben schuld oder das die Kollegin so hübsch ist, all diese Dinge lösen in dir was aus. Finde heraus was es ist. Fühlst du dich nicht geliebt, wertgeschätzt,  hintergangen, belogen? Was ist es und dann sprich darüber mit deinem Gegenüber, sag was diese Situation/ Verhalten mit dir macht.

Auseinandersetzung und gesunde Reibung ist wichtig, auch das Menschen unterschiedliche Meinungen und Ansichten haben, sonst würde Stillstand herrschen. Es ist halt immer nur die Frage wie man damit umgeht. Ich habe für mich vor einigen Jahren beschlossen, dass ich nicht mehr streiten werde und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Ich bin jetzt Streit frei seit 2016 😉 Was nicht bedeutet dass ich keine Diskussionen mehr führe.

Als Buch kann ich dir hier auf jeden Fall, Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg empfehlen, nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, habe ich beschlossen, dass ich nie wieder streiten werde und es funktioniert ganz wunderbar. Ich hab es für dich in meinen Buchtipps ein wenig näher beschrieben.

Ich wünsche dir eine wundervolle Streit freie Woche, probiere es mal aus und lass mich gerne daran teilhaben wie dein Umfeld reagiert.

Alles Liebe
Deine Erika