Es gibt, glaube ich, kaum etwas unangenehmeres, als der Moment, wo du einen Menschen triffst oder in einer Situation bist, die dich komplett verunsichert.

Früher ist mir das oft bei Vorgesetzten oder sehr bekannten Persönlichkeiten gegangen. Während meiner Zeit in der Gastronomie habe ich Stars, Generäle und auch mal einen sehr bekannten Maler bedient. Viele Jahre ist das schon her und mittlerweile gibt es eigentlich keine Situationen oder Menschen mehr, die mich verunsichern, dachte ich! Vor kurzem erst habe ich einen Menschen kennengelernt, der mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Aus der eigentlich sehr selbstbewussten und spaßigen, lockeren Erika, ist auf einmal eine stille, etwas zurückhaltende, ziemlich verwirrte Blondine geworden (also für meine Verhältnisse). Je länger wir miteinander zu tun hatten, umso unsicherer wurde ich. Ich will gar nicht wissen, was der Mensch für einen komischen, völlig verdrehten Eindruck jetzt von mir hat. Blöd, dass mir da meine eigenen Tricks von früher noch nicht einmal mehr eingefallen sind.

Vielleicht kennst du so eine Situation vom Daten oder wenn du zu deinem Vorgesetzten musst. Es gibt immer Menschen, die auch die selbstbewusstesten Menschen verunsichern. Man hat das Gefühl, man muss überzeugen, gefallen und man darf bloß nichts Falsches sagen oder tun.

In solchen Momenten ist man einfach alles andere als souverän und cool. Man ist nicht mehr wirklich man selbst und gibt völlig die Kontrolle über sich selbst ab. Auch wenn das jetzt für mich eine sehr ungewohnte Erfahrung war, fand ich sie mehr als hilfreich. Und im Nachhinein verstehe ich jetzt auch, was da mit mir los war. Klar war das blöd, mir wäre es auch lieber, wenn der Mensch mich so kennengelernt hätte, wie ich wirklich bin. Wer weiß was da alles Cooles hätte draus entstehen können, aber ändern kann ich es jetzt nicht mehr. Und damit so etwas nicht so schnell nochmal passiert, hab ich mir meine Notizen von früher wieder raus geholt.

Unsicherheit entsteht in den meisten Fällen, wenn wir uns kleiner fühlen als das Gegenüber. Bei einem Vorgesetzten ist es die Hierarchie, die wir zu ernst nehmen. Bei anderen Menschen kann das alles Mögliche sein. Klarer Fall für das Selbstbewusstsein und vor allem Chaos im Kopf. Wir fangen an zu vergleichen und nehmen Dinge an, von denen wir gar nicht wissen, ob sie überhaupt stimmen. Wir hinterfragen das was wir tun, sagen, anhaben, wie wir aussehen und unsere Fähigkeiten. Im Endeffekt sind wir in solchen Situationen mehr mit uns selbst beschäftigt, als mit dem anderen. Die Auswirkungen können ganz unterschiedlich sein. Entweder nimmt man sich zurück, so wie bei mir oder man wird lauter und redet auf einmal mehr als sonst.

Wichtigster Punkt ist dabei, schau dir genau an, was mit dir passiert.

Ich zum Beispiel habe ständig an meiner Lippe rumgekaut und wusste nicht, was ich mit meinen Händen machen sollte. Wahrzunehmen welche körperlichen Auswirkungen so eine Situation auf uns hat, gibt uns die Möglichkeit, diese Dinge in den Griff zu bekommen. Da man in solchen Momenten meist etwas überfordert ist, können diese körperlichen Erscheinungen daran erinnern, dass man gerade nicht man selbst ist. Und auch wenn das jetzt komisch wirkt, in dem Moment, wenn du verunsichert bist, merkst du es selbst oft gar nicht. Dein Körper steht unter Stress, dein Gehirn ist kurz vor dem Overload, die Zeit fliegt dahin und erst im Nachhinein merkt man, dass das gerade merkwürdig war. Benutze deinen Körper als Anker, das bedeutet, lass dich von ihm daran erinnern, dass du gerade in so einer Situation steckst. In der Situation wahrzunehmen und bewusst darauf reagieren zu können, gibt dir die Chance zu mehr Selbstsicherheit.

Da der andere ja gar nicht weiß, was mit dir los ist, sag ihm,
dass dich die Situation gerade verunsichert.

Ja tatsächlich, so einfach ist das. Vor Jahren hatten wir in dem Restaurant, in dem ich gearbeitet habe, eine Veranstaltung von einem sehr hohen General. Begleitet wurden diese Herren von genauso vielen Securities, die bewaffnet überall vor dem Raum standen. In den Raum durfte niemand rein, der nicht zugelassen und kontrolliert war. Das waren Männer, die ungelogen doppelt so groß waren wie ich und doppelt so breit. Schwer durchtrainiert und bewaffnet. Jedes Mal wenn ich an ihnen vorbei musste, wurden meine Beine ganz weich und mir fielen fast die Teller aus der Hand. Nachdem ich das vierte oder fünfte Mal an Ihnen vorbei gehen musste, blieb ich stehen und sagte zu dem Chef Security: „Wissen Sie, das ist echt schräg und mich verunsichert das extrem, dass sie da so mit ihren Waffen stehen und mich jedes Mal so böse ansehen, dass ich Angst bekomme.“  Erst hat er mich verdutzt angesehen, dann hat er gelächelt und mir versprochen, dass er jetzt jedes Mal lächeln wird, wenn ich vorbei gehe. Von mir ist sofort die ganze Anspannung abgefallen und vorbei war es mit der Unsicherheit, danach haben wir jedes Mal geblödelt, wenn ich vorbei musste und sogar Handynummern getauscht ;-).  

Unsicherheit entsteht immer in uns selbst, das Gegenüber kann in den meisten Fällen nichts dafür und auch nur ganz selten ist es gewollt. Zuzugeben, dass man verunsichert ist, hat auch absolut nichts mit Schwäche zu tun, es zeigt eher, dass man selbstbewusst und reflektiert ist. Ich habe das früher jedes Mal so gemacht, nie hat darauf jemand negativ reagiert. Es ist eher so, dass es die Beziehung öffnet und man danach viel offener aufeinander zugehen kann.

Schreib dir später auf, was du glaubst,
was der Grund für diese Unsicherheit war.

Als ich meine alten Notizen durchgesehen habe, ist mir aufgefallen, dass es bei mir immer einen Kern gab. Wenn dieser Kern getriggert wurde, wurde ich unsicher. Dieser Punkt ist dann auch das, woran man arbeiten kann. Selbstbewusstsein hat ja damit zu tun, dir selbst bewusst zu sein, und alles, was uns einmal bewusst geworden ist, hat viel weniger Macht über dich. Oft verschwindet es auch ganz.

Unsicherheit ist nichts, was man nicht weg bekommen kann, auch wenn es immer mal wieder unerwartet passiert, kann man daran arbeiten. Es ist auch viel zu schade, dass du nicht du selbst bist, du bist großartig und das sollte jeder erleben!

Lass dich nicht unterkriegen, sei frech, wild und wunderbar.
Mal sehen, ob mir dieser Mensch nochmal über den Weg läuft,
dann kann er mich mal richtig kennenlernen. :-p

Hab eine tolle Woche
Deine Erika