Stell dir ein Leben ohne Angst vor, ein Leben ohne Zweifel, Furcht, ohne Begrenzungen. Wie würde dein Leben aussehen? Was würdest du tun, was du dich heute nicht traust? Wie du vielleicht gesehen hast, hat es mich diese Woche an einen Ort aus meiner Vergangenheit geführt, dem Tal in Tirol, in dem mein Leben in Österreich begonnen hat. Als ich da an diesem Platz stand, konnte ich mich gut an die Angst von damals erinnern. Eine unserer Grundemotionen ist die Angst, evolutionsbedingt ist sie auch eine sehr wichtige Emotion. Ohne sie wäre der Steinzeitmensch wohl ausgestorben. Stell dir vor, er hätte keine Angst gehabt, als er einem Mammut oder einem Tiger begegnet ist. Keine gute Idee, in solchen Momenten keine Angst zu empfinden. Doch Tiger und Mammuts gibt’s heute nicht mehr, sie heißen Präsentationen, Bewerbungsgespräche, Spinnen oder Verlust von etwas oder jemandem. Doch zugeben tun wir alle das nicht gerne, deswegen geben wir ihr gerne andere Namen. Unsicherheit, Unrealistisch, Schüchternheit, Zurückhaltung, zu gefährlich oder man sagt sich gleich: Das kann ich einfach nicht. Doch dabei ist Angst eine sehr spannende Emotion und eine, die uns mehr über uns selbst verrät, als sonst etwas. Sie zu verstehen und mit ihr umzugehen ist eine Kunst, aber nicht unmöglich. Im Laufe der Jahre entwickeln wir Menschen unterschiedliche Techniken, um mit Angst umzugehen. Die einen sehen in ihr eine Herausforderung, eine Chance um aus ihrer Komfortzone zu wachsen, die anderen begrenzen sich und versuchen, dieses Gefühl wieder weg zu bekommen, nicht selten indem sie dann der Situation aus dem Weg gehen. In genau diesen Momenten suchen wir uns nämlich genug Ausreden, Erklärungen und Erfahrungen aus unserer Vergangenheit, um nicht durch die Angst gehen zu müssen und schnellstmöglich dieses drückende, schwere Gefühl weg zu bekommen. Die einen laufen weg, die anderen weinen und wieder ganz andere drehen auf ihrem Weg um und gehen zurück in die Sicherheit. Jeder von uns hat auf Grund seiner Geschichte eine ganz eigene Art mit Angst umzugehen und wenn nicht eine andere Emotion wie Neugier oder Schmerz noch größer ist, überwinden wir die Angst auch nicht. Doch Angst ist nur die oberflächliche Emotion, hinter der eine ganze Menge tief versteckte Glaubenssätze und Erfahrungen stecken. Als ich nun, vor 8 Jahren, in diesem Tal stand und mich fragte, soll ich ganz hierher gehen, war das Gefühl von Angst sehr präsent. Mein Herzschlag war erhöht, meine Hände verschwitzt, ich konnte nicht ruhig stehen bleiben und meine Gedanken drehten sich im Kreis, dass mir fast schwindelig wurde. Zweifel sind die Angst hinter der Angst und sie entscheiden, wie wir uns dann schlussendlich entscheiden und was passiert. Ob wir weglaufen oder uns trauen. Und auch entscheidend ist die Art unserer Kommunikation in diesem Moment. Hörst du dir selbst gut zu? Versuchst du, deine Angst zu verstehen oder machst du dir selbst Vorwürfe? Wie sprichst du mit dir? Heute weiß ich, wie ich mit meiner Angst umgehe und möchte diese 3 Schritte mit dir teilen.

1.  Hört dir zu! 

     Auch wenn das erstmal komisch klingen mag, reden wir Menschen fast den ganzen Tag mit uns selbst. Vor allem in Situationen der Angst drehen sich die Gedanken, was auch das Gefühl von Panik auslösen kann. Sich selbst zuhören bedeutet, sich bewusst zu machen, was man da eigentlich denkt. Was erzähle ich mir, erkläre ich es mir, versuche ich, Begründungen für meine Angst zu finden, was passiert da in meinen Gedanken? Die bewusste Auseinandersetzung mit seinen Gedanken beruhigt sofort. Du kannst sie entweder aufschreiben oder dich ruhig hinsetzen und die Augen schließen. Stell dir vor, du hörst einem Freund zu, der über seine Angst redet, mit ganz viel Aufmerksamkeit und Geduld.   Nachdem du dir eine Zeit lang einfach nur zugehört hast, wirst du merken, dass du ruhiger wirst. Du kennst das sicher aus anderen Bereichen deines Lebens, wenn man mal alles ausgesprochen hat, fühlt man sich besser und genauso kannst du es auch bei deiner Angst fühlen. 

2. Stell dir die Frage:
Welche Angst steckt hinter der Angst? 

     Meistens ist der Grund warum wir Angst haben nicht die eigentliche Ursache. Dahinter verbergen sich andere, tiefere Gründe und wenn du die erkennst kannst du sie auflösen. Um das zu verdeutlichen, erkläre ich es an meiner Angst in Tirol damals. Als ich nun da stand, hatte ich Angst, doch die wirkliche Angst dahinter war es, zu versagen. Was denken meine Freunde und Familie, wenn ich das doch nicht durchziehe und nach ein paar Tagen oder Wochen abbreche, es war Einsamkeit, was, wenn meine Freunde mich dann nicht mehr in ihrem Leben brauchen, wenn ich weg bin und ich hier keine neuen Freunde finde. Versuch, herauszufinden, was die Angst hinter der Angst ist.

3. Schau dir an was das Schlimmste ist,
was passieren kann. 

   Male dir das Furchtbarste aus, wirklich das Furchtbarste, wie es dir damit gehen würde und wie wahrscheinlich das ist, dass genau das passiert. Male dir alles aus, bis ins kleinste Detail und du wirst merken, dass es entweder gar nicht so schlimm ist oder erst gar nicht soweit kommen wird.

Wie du vielleicht erkennst, ist Angst nur die Oberfläche, hinter ihr können sich unterschiedliche Gründe verbergen. 

Lass dich nicht entmutigen, sondern schau dir an, was dahinter steckt, um so zu erkennen, dass nichts ist wie es scheint.

Ich wünsche dir eine wundervolle Woche.

Deine Erika