Als ich vor Jahren angefangen habe, mich mit Kommunikation auseinanderzusetzen, bin ich mal zuerst auf die ganzen klassischen Rhetorik Tricks gestoßen. Wie man Worte austauscht, Sätze verdreht und Ausdrucksweisen finden kann, die einen weiterbringen. Rhetorik ist eine absolute Kunst, wenn man sie beherrscht und auch definitiv ein spannendes Thema. Für mich ist Rhetorik nur ein Teil von Kommunikation.  Ich glaube, ich habe fast jeden dieser angeblichen Erfolgsrhetorik Tipps ausprobiert, klingt ja auch super verlockend: Sag das oder das und alles läuft, wie du es willst. Allerdings habe ich mich dabei mehr zum Affen gemacht, als das es meistens was gebracht hat. Kennst du auch Leute, die auf einmal irgendeine Phrase verwenden und das Ganze mehr lächerlich wirkt, als dass es dich beeindruckt? Ein Phänomen, was ich oft erlebe und mindestens doppelt so oft über mich selbst gedacht habe, wenn ich mal wieder einen Rhetorik Supertrick anwenden wollte. Was jetzt absolut nicht bedeutet, dass diese Mechanismen, mit denen da gearbeitet wird, uneffektiv sind.  In der Rhetorik werden Wortbedeutungen, Satzbaustellungen, psychologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse verwendet und an sich ist das super interessant. Aber viel zu oft werden sie als einzelne Faktoren und Stücke präsentiert. In der Grunddefinition, wenn man mal googelt, was Rhetorik ist, steht auch immer wieder, dass es sich um die Redekunst handelt, eher eine One-Way-Art der Kommunikation. Von mir zu dir. Und genau das finde ich, ist einfach zu wenig. Kommunikation bedeutet für mich viel mehr als nur bloße Wortfloskeln oder das Halten eines Monologes. Kommunikation ist das, was Rhetorik mit vielen anderen Dingen verbindet. Sie ist für mich ganzheitlich, fängt immer bei einem selbst an und erfordert viel Reflexion, Mut, Wille und Selbstliebe. Ja genau, Selbstliebe <3 dazu ein anderes Mal mehr. Und vor allem: Kommunikation verbindet!

Ich weiß nicht, ob du es schon wusstest, geboren wurde ich in Russland, mit knapp 2 Jahren bin ich dann nach Deutschland gekommen und Deutsch war meine erste Fremdsprache, die ich anfingt zu lernen, als ich in den Kindergarten kam (Entschuldige, wenn ich hin und wieder mal einen Beistrich- oder Grammatikfehler habe). Vielleicht hat meine Faszination für Kommunikation schon dort angefangen, sie war damals wichtig, um mich mit den anderen zu connecten. Freunde und Spielkameraden finden ist schwierig, wenn man kein Wort der Anleitung versteht, die Körpersprache nicht nachvollziehen kann und das Gefühl hat, man ist am falschen Ort, aber zum Glück sind so kleine Kinder offen und haben viel Geduld. Nun ja, trotzdem hat es sehr lange gedauert bis ich einen guten Grundwortschatz hatte. Eine der lustigsten Geschichten ist wohl mein „Nüdelches“ Erlebnis aus der ersten Klasse. Das saß ich also, süße 6 Jahre alt und hab nur jedes 2 Wort verstanden. Und dann wurden wir gefragt, was unser Lieblingsessen ist. Da ich Essen liebe (damals auch schon), meldete ich mich schnell und antwortete voller Stolz „Nüdelches“, blöd nur, dass keiner wusste, was das ist. Da ich mich auch nicht erklären konnte in Deutsch, war das Ganze irgendwie sehr verwirrend für mich, warum kennen die das nicht?! Meine Mama erzählte mir irgendwann einmal, als wir über dieses Erlebnis sprachen, dass ich völlig frustriert, traurig und verwirrt nach Hause gekommen bin an diesem Tag. Da meine Mama damals noch weniger Deutsch konnte als ich, ist sie dann in den Supermarkt und hat versucht herauszufinden, wie die auf Deutsch heißen. Und Tada, mein Lieblingsessen waren Nudeln! Also habe ich am nächsten Tag in der Schule erzählt, dass es Nudeln sind, aber es hat sich für mich nicht richtig angefühlt. Nudeln, was soll das sein, die Dinger haben mein (damaliges) ganzes Leben Nüdelches geheißen. Und genau das Gefühl habe ich oft, wenn ich einen bloßen Rhetorik Trick anwende. Umgangssprachlich werden viele Dinge verwendet, die man dann in der Rhetorik auf einmal anders sagen sollte, das fühlt und hört sich oft etwas merkwürdig an, solange man den Sinn dahinter noch nicht ganz verstanden hat. Und der Sinn dahinter, hinter den Worten, hinter den Phrasen, im Zusammenhang mit dem gesamten Satz und der Konversation, das ist dann für mich wieder Kommunikation. (Rhetorik Experten sehen das vielleicht anders, aber das, was in der breiten Masse mit den Rhetorik Tipps gemacht wird, ist leider oft ein einfaches Austauschen, was dann sehr unauthentisch wirkt.) Einfach nur eine Sache gegen eine andere auszutauschen ist für mein Empfinden einfach zu wenig. Nichtsdestotrotz ist Rhetorik ein wichtiger Bestandteil von Kommunikation. Rhetorik sind Worte, Kommunikation das, was daraus entsteht! Deswegen gibt es als KommuWas Übung der Woche einen Rhetorik Trick, inklusive Details.

Tausche ABER gegen UND!

Kennst du Sätze wie: Das hast du toll gemacht, ABER ich weiß das geht besser. Später bekommst du ein Eis, ABER vorher musst du dein Zimmer aufräumen. Ich habe dich lieb, ABER du musst lieb sein. So oder so ähnlich kennst du bestimmt Sätze aus deiner Kindheit. Erst wird etwas versprochen, etwas Liebes gesagt und dann kommt das ABER. Oder gehen wir mal in das Berufsleben: Sie sind ein toller Mitarbeiter, ABER Sie müssen das ändern. Wir schätzen sie und ihre Arbeit sehr, ABER eine Gehaltserhöhung ist nicht drin. Spür da mal kurz rein, was passiert in dir? Ist es vielleicht ein trauriges oder ernüchterndes Gefühl? Genau das ist es, was mit einem Aber-Satz in (fast) jedem von uns passiert. Mit diesem Aber ist es so, als ob alles, was vorher gesagt worden ist, nicht mehr gilt, als ob es nur eine Phrase ist und gar nicht der Wahrheit entspricht. So als Tarnung für den Tadel, den man gleich bekommt. Und somit macht man das Vorherige zunichte, bzw. reagiert man schon mit einer unterbewussten Abwehrhaltung gegen das, was danach kommt. Das passiert, wie sehr vieles, völlig unterbewusst oder ist dir, bevor ich dich oben gebeten habe, schon einmal aufgefallen wie sich ein Aber Satz anfühlt? Und das machst du auch mit dir selber, wenn du dir in Gedanken sagst: Das habe ich toll gemacht, ABER ist ja nichts Besonderes. Faszinierend ist, wie oft Aber-Sätze verwendet werden. Bis ich angefangen habe darauf zu achten, hätte ich es nie für möglich gehalten, wie sie sich in unserem normalen Sprachgebrauch etabliert haben. Du wirst überrascht sein. Oft wird vorgeschlagen, wie oben steht, tausche Aber gegen Und. Das ist auch tatsächlich eine Möglichkeit, aber auch nicht unbedingt immer anwendbar. Sie sind ein toller Mitarbeiter UND müssen sich ändern, passt ja jetzt auch nicht wirklich. Wobei es bei: Später bekommst du ein Eis UND vorher räumen wir noch schnell dein Zimmer auf, schon eher anwendbar ist. Und genau das ist die Herausforderung, Rhetorik Tricks kann man nicht einfach überall anwenden. So, also wie bekommt man nun diesen negativen Beigeschmack trotzdem weg. Ich versuche mittlerweile, Aber-Sätze weg zu lassen, sie aus meinem Sprachgebrauch zu streichen. Mal im Ernst, wer braucht so einen emotional negativen Satz? Und so wird dann aus: Wir schätzen Sie als Mitarbeiter. Aufgrund der finanziellen Lage des Unternehmens ist derzeit leider keine Gehaltserhöhung möglich. Oder: Ich hab dich lieb. Hier lasse ich ganz bewusst den Rest weg, wenn man jemanden lieb hat, muss er sich nicht ändern 😉 Sage die Dinge unabhängig voneinander. Lob bleibt Lob und Kritik bleibt Kritik. Beides zusammen funktioniert nicht wirklich.

Heute ist der Text ein wenig länger geworden. Danke für deine Zeit und danke, dass du dich mit Kommunikation auseinandersetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Welt eine bessere wird, wenn wir uns wieder mehr auf das Miteinander konzentrieren.

Ich wünsche dir einen tollen Tag und alles Liebe.

Deine Erika