Ein großer Trend ist aktuell, dass wir uns unterscheiden wollen von anderen, wir wollen ein besonderes Individuum sein. Ganz anders als die anderen und meistens ja auch irgendwie besser dadurch. Wir werten uns auf oder ab, den anderen auf oder ab. Nur woran messen wir das? Und sind wir durch diesen Individualismus wirklich „different“? Sind wir dadurch besser, glücklicher, erfolgreicher? Ich weiß es nicht, diese Frage beschäftigt mich schon sehr lange. Was ist dieses different, wovon ist es denn different? Wenn ich so in mein Leben zurückblicke, fallen mir doch einige Dinge ein in denen ich versucht habe irgendwie dazuzugehören. Während meiner Teenager Zeit, habe ich versucht mich anzupassen, ich wollte _cool sein, dazu gehören. Wer will das nicht? Wir Menschen sind Rudeltiere, dieses Verhalten und der Wunsch der Zugehörigkeit ist tief in uns verankert. Ob in der Steinzeit, oder auch heute, ganz alleine will niemand sein und irgendwie gehören wir trotz unserer „Einzigartigkeit“ in irgendeine Gruppe. Das was wir als anders, oder besonders sehen, ist etwas, dem wir selbst diese Bedeutung geben. Bei mir war es während der Teenager Zeit die Macht die die Coolen hatten. Klamotten, Alkohol, Lässigkeit, diese „mir ist alles egal“ Einstellung. Ich war nie wirklich „cool“, ich war eher das Anhängsel der Coolen, über das sie sich lustig gemacht haben, aber ich hatte meine Rolle dort. Dass ich mich damals schon nicht ganz dazugehörig gefühlt habe, hat sich lange in meinem Leben weiter gezogen und auch heute fühle ich mich oft von den Vorgaben der Gesellschaft, der Wirtschaft gefesselt. Lange in meinem Leben habe ich viele verschiedene Rollen gespielt, alle waren ein Teil von mir, aber jedes Mal habe ich einen anderen Teil nicht zugelassen. Jedes Mal wollte ich irgendetwas damit erreichen, darstellen oder bin vor mir selbst davon gelaufen. Aber genauso kann es auch sehr hilfreich sein mal mitzuspielen, die Spielregeln der anderen zu kennen, zu lernen wie das System funktioniert. Wichtig ist es nur für sich seinen Weg zu finden, das was sich für dich richtig anfühlt, und wo du nicht das Gefühl hast, du spielst eine Rolle. Seitdem ich mir dieser Dynamik bewusst geworden bin, hat sich vieles für mich erleichtert. Wenn nötig, spiele ich diese Rolle, auch wenn es mal eine sein muss, die mir nicht besonders gefällt. Genauso weiß ich aber auch in welchen Gruppen ich mich wohl fühle, ich weiß auch zu welcher Gruppe ich dazu gehören will, denn man kann trotzdem man selbst sein. Es ist für mich meine Plattform, mein Spielbrett, meine Mannschaft, in der ich eine ganz eigene Figur bin, die Bedingungen suche ich mir aus und auch wie ich mit Dingen, die um mich passieren, umgehe. Einzigartigkeit ist nämlich nicht möglich ohne einen Vergleich, es kommt halt immer darauf an, womit man sich vergleicht, und auch das kann ich mir ganz bewusst aussuchen. In der Wirtschaft und vor allem in meinem Bereich, dem Verkauf, gibt es für mich unendlich viele starre Muster, Ansichten, Herangehensweisen und Erwartungen. Ein Verkäufer ist dies oder das, er hält Präsentationen so oder so. Und ja, tatsächlich sind sich Verkäufer ähnlich, das sind sich Ärzte oder Polizisten aber auch. Das Umfeld, in dem wir uns befinden, färbt halt auf uns ab. Zu lernen, wie diese ganzen Mechanismen auf mich wirken, was sie mit mir machen, und wie ich zwischen ihnen hin und her springe, hat sehr lange gedauert. Aber nicht nur das, eine der wichtigsten Beobachtungen die ich gemacht habe, war, dass sich nicht nur die Rollen ändern, sondern auch ich und meine Art der Kommunikation. Ich habe früher Dinge gesagt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich die so sagen muss, ich habe Dinge zurück gehalten, weil ich Angst davor hatte dafür verurteilt zu werden. Kommunikation ist unser Sprachrohr in die Welt, dass Tool mit dem wir in Verbindungen treten, Beziehungen entstehen lassen und sie genauso schnell wieder zerstören können. Nur, wenn man immer alles tut wie immer und wie alle anderen, wird man auch nie was anderes erleben. Und da sind wir wieder beim „different“. Anders sein geht nur wenn man auch mal etwas Ungewöhnliches in einem neuen Bereich wagt. Wenn man Dinge verbindet, die vielleicht im ersten Moment nicht zusammen gehören, kombiniert und ausprobiert. Nur so kann wirklich etwas Neues entstehen, und das macht dann den Unterschied. Vor allem in der Kommunikation kann das einen riesen Unterschied im Ergebnis machen. Wenn du sonst jemand bist, der zum Beispiel eher zurückhaltend ist und du dann anfängst Fragen zu stellen, ist mit Sicherheit die Reaktion der Anderen eine völlig neue. Vielleicht sind sie auch erstmal erstaunt, aber was ist schon dabei? Wenn du zum Beispiel mit einem Kollegen ständig aneinander gerätst, dann probiere mal was Neues, schau dir an wie du normalerweise reagierst, was du sagst, und mach mal was anderes, vielleicht einfach Lächeln wenn er kommt oder sagen, dass du für eine Diskussion einfach nicht zur Verfügung stehst. Es gibt viele Möglichkeiten, wenn du die eine Variante, die du normalerweise nutzt, mal außen vor lässt. Es muss auch nicht das absolute Gegenteil sein. Zwischen A und Z gibt es ja auch noch 24 andere Buchstaben und du kannst dir aussuchen, welchen du davon dieses mal probieren möchtest. Wie dir sicher schon in meinem Blog aufgefallen ist, gibt es hier keine Rhetorik Tipps, für mich ist Kommunikation mehr als nur Worte, sie sind wichtig aber haben immer einen Ursprung. Auf das Thema Wortbedeutungen und worauf du dabei achten kannst, werde ich sicher auch mal eingehen. Diese Woche gibt es aber wieder eine KommuWas Übung, bei der es ums Beobachten geht. Dich beobachten, denn du bist die Wurzel und der Ursprung jedes Gesprächs, das du führst, niemand kann dich zu einem Streit zwingen oder dich in eine Rolle stecken wenn du das nicht willst.

In dieser Woche würde ich dich dazu einladen, dich selbst zu beobachten. Nimm dir wieder dein Notiz-Heft mit und schau dir mal im ersten Schritt an, in welche Rollen du dich so über den Tag begibst. Das kann sein Frau/Mann, Angestellte/r, Fachkraft, Mutter/Vater, Freundin/Freund, Ehefrau/Ehemann, selbstständig/hilfsbedürftig, Zuhörer/Sprecher und, und, und. Es gibt dabei kein falsch und kein richtig. Im zweiten Schritt kannst du dann beobachten, wie sich deine Art der Kommunikation ändert. Von streng, kurz, fachlich, sachlich  zu lang, laut, emotional, gefühlvoll, jammernd, fröhlich und, und, und. Spannend wird es dann, wenn die Rolle, die du spielst, mit der Art deiner Kommunikation vergleichst. Gibt es dabei Muster und Verbindungen? Kannst du sehen, wie sie schwanken kann? Kannst du sehen, wie breit auf einmal die Art ist in der du kommunizierst? Diese Übung habe ich damals über Wochen gemacht und ich war fasziniert. Je nachdem wie sicher du dich fühlst, kannst du dann auch mal schauen, ob du tauschen kannst, eine andere Art der Kommunikation in einer anderen Rolle, und wie es dir damit geht. Ich bin schon sehr gespannt, wie es dir mit der Übung geht und wünsche dir eine erlebnisreiche Woche.

Deine Erika