Auch wenn das ein Thema ist, das immer mal wieder gefragt ist, ist es gar nicht so einfach seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben, zum einen weil wir im Laufe unseres Lebens öfter gesagt bekommen, was wir alles nicht können, wie in der Schule:  man wird mehr darauf hingewiesen, was man nicht kann, als auf das, was man gut kann. Aber nicht nur das, die Definition von Stärken und Schwächen kann sehr breit sein. Schwächen zu erkennen fällt den meisten einfacher, nur sind die Schwächen, die wir oft als solche wahrnehmen, gar nicht die Schwächen, die vielleicht wichtig sind. Bei mir zum Beispiel ist Englisch eine „Schwäche“, mit Sprachen tue ich mir etwas schwer, aber was sagt das jetzt aus? Mit meinen englischen Kollegen oder Kunden kann ich mich gut unterhalten, Filme verstehe ich auch und an Bücher in Englisch taste ich mich gerade heran. Ist Englisch jetzt also eine Schwäche? Ja und Nein, es behindert mich nicht, aber es ist ein Bereich, den ich noch verbessern muss.  Bevor man sich die Frage stellt, was die eigenen Stärken und Schwächen sind, ist es wichtig sich anzuschauen wofür und in welchem Bereich man das herausfinden will. Nehmen wir wieder mein Englisch, wenn ich mich in Amerika oder in einem Unternehmen bewerben sollte, in dem nur Englisch gesprochen wird, ist es sicher ein wichtiger Punkt, den ich beachten sollte. Benötige ich in meinem Job allerdings nur Deutsch, ist es irrelevant, wie gut mein Englisch ist. Nehmen wir noch ein Beispiel, ich bin und arbeite sehr strukturiert, ohne To-Do und Prioritätenliste starte ich nicht in den Tag. Das ist sicher für meine Tätigkeit im Büro, meine administrativen Aufgaben, eine Stärke, sitze ich allerdings bei meinen Kunden und würde mit ihm ein durchstrukturiertes Gespräch führen, ohne mich auf ihn einzulassen, wäre es eher eine Schwäche. Das Schöne daran, das Stärken und Schwächen immer von unterschiedlichen Seiten betrachtet werden können, ist, dass eine vermeintliche Schwäche dadurch zu einer Stärke werden kann. Genauso kann man an Ihnen das noch offene Potenzial entdecken, Dinge, die dich als Mensch ausmachen und deine ganz besonderen Eigenheiten zum Vorschein bringen. Aus diesem Grund mache ich diese Übung einmal im Jahr. Nicht nur, dass ich dadurch sehen kann, wo ich mich verbessert oder verschlechtert habe, sondern auch um zu erkennen, wie andere mich wahrnehmen. Das, was du über dich selbst glaubst, ist nämlich nicht das, was andere über dich denken und das zeigt diese Übung so schön. Da man sie auch nutzen kann, um seine Kommunikation zu verbessern, gehört sie für mich zu den KommuWas Übungen.

3 Schritte um deine Stärken und Schwächen zu erkennen:

Stepp 1.   

Suche dir 5 oder auch mehr Personen aus deinem näheren Umfeld aus, mit denen du viel zu tun hast und bei denen du sicher bist, dass sie dir die Wahrheit sagen, auch wenn es vielleicht Kritik sein könntest. Ich nutze es auch immer um zu schauen, ob ich in all meinen Lebensbereichen authentisch bin, deswegen frage ich Freunde, Arbeitskollegen und auch Studienkollegen. Beim letzten Mal habe ich 2 aus jedem Bereich genommen.

Stepp 2.  

Entweder schreib den Ausgewählten eine Nachricht oder nutze euer nächstes ruhiges Treffen, um deine Fragen zu stellen, aber frag nicht nach Stärken und Schwächen. Zum einen ist es wichtig, herauszufinden wie diese Menschen dich sehen und nicht was sie glauben, was deine Stärken und Schwächen sein könnten, deswegen nutze andere Formulierungen:

·       Privat: Was schätzt du ganz besonders an mir? (3 Eigenschaften oder Fähigkeiten ect.) -Wenn du an mich denkst, was fällt dir als erstes ein? Warum bist du mit mir befreundet? Welche 3 positiven Eigenschaften und welche negativen würden mich beschreiben. Was habe ich für Angewohnheiten, die du nur akzeptierst, weil wir befreundet sind?

·       Beruflich: Welche Aufgaben würdest du mir blind anvertrauen? Auf was kannst du dich bei mir immer verlassen? Was schätzt du an mir als Kollegin? Welche Aufgaben erledige ich langsamer oder schlechter als du? (wichtig um Schwächen zu erkennen und immer zuerst das negative, damit der andere sich nicht angegriffen fühlt, dann das positive) und welche Aufgaben, glaubst du, kann ich besser als du?  Was schätzt du an mir? Was für ein Gefühl hast du, wenn wir etwas zusammen machen? (Geht nur bei wirklich sehr nahen Kollegen, kann sonst komisch wirken)

Stepp 3. 

Sammle alle Antworten, die du bekommst, schriftlich, nimm ein A4 Blatt und teile es in  2 Spalten und für jede Person 1 Zeile. Links die positiven, rechts die negativen. Dann schreibe Stichpunktartig alles hinein, ohne dazu zu schreiben, wer was gesagt hat. Jetzt legst du links und rechts ein Blatt daneben, wieder eins für die Positiven und eins für die Negativen.  

Auf die Blätter rechts und links kategorisierst du dann alle positiven Aspekte und alle negativen Aspekte, z.B. in Ausstrahlung (hübsch, immer lächelnd, grimmig etc.), Tätigkeit (strukturiert, organisiert, schnell, zuhören usw.), Gefühle (wohlfühlen, fröhlich, Angst usw.) Die Einteilung kannst du ganz nach deinem Empfinden machen, was passt für dich zusammen und was nicht. Wenn du die positiven und negativen Aspekte sortiert hast, dreh den Zettel in der Mitte um oder lege ihn an die Seite (raus aus deinem Sichtfeld) und nimm dir für die Mitte ein neues Blatt. Jetzt schau dir deine positiven und deine negativen Punkte an und schau mal, ob es Verbindungen oder Extreme gibt.

Bei mir stand zum Beispiel mal auf einem bei positiv extravertiert und introvertiert, eigentlich zwei Gegensätze und bei negativ: kann nicht gut zuhören und kann gut zuhören. Erst habe ich das nicht verstanden, aber nach ein paar Minuten ist es mir aufgefallen, wenn ich gerade sehr extravertiert bin hab ich ein Problem mit dem Zuhören und wenn ich gerade in meiner Mitte bin und sehr entspannt, also Introvertiert, kann ich viel besser zuhören, seitdem mir das bewusst ist, achte ich darauf. Genauso kannst du dabei auch erkennen, wie viele verschiedene Facetten du hast und dann reflektieren welche dir gefallen und welche nicht.  Spannend ist es dabei zu sehen, welche Kategorien sich überschneiden und wie vielfältig Stärken und Schwächen sein können.

Solltest du Fragen zu den Stepps haben oder dir bei der Auswertung unsicher sein, kannst du mir gerne schreiben, ich wünsche dir viel Spaß beim Entdecken.

Deine Erika