Es gibt eine Menge verschiedene Wege, über die wir kommunizieren. Von nonverbaler und verbaler Kommunikation hast du sicher auch schon gehört. Und ja, sie sind wichtig, sehr wichtig sogar. Aber es gibt noch eine Ebene, die bisher sehr unbekannt ist. Die Kommunikationsebene 1 – wie du mit dir selbst redest. Ich habe vor ca. 2 Jahren ein Hörbuch gehört: Eckhart Tolle – Eine neue Erde. Ziemlich weit an Anfang hat er Folgendes gemeint und das hat meine Welt ziemlich ins Wanken gebracht.

Wenn wir einen Menschen sehen, der laut Selbstgespräche führt, wirre, nicht zusammenhänge Dinge vor sich hinredet, dann halten wir diesen Menschen für verrückt. Es ist nicht normal, dass einer laut mit sich selbst redet und vor allem auch noch komische und nicht verständliche Sachen ruft. Aber genau das ist es, was wir den ganzen Tag auch tun, nur leise und in unserem Kopf. Wir reden den ganzen Tag mit uns selbst, führen Selbstgespräche, springen von einem Thema zum nächsten, beurteilen was wir sehen, werten, verdrehen und grübeln. Aber halt leise und still in unseren Gedanken. Wir führen den ganzen Tag Selbstgespräche und trotzdem sehen wir das nicht als verrückt an. Wenn das jemand laut tut schon. Wo ist der Unterschied? (Das ist nicht der Originaltext, sondern in meinen Worten wiedergegeben)

Nachdem ich das gehört hab, war ich schockiert, er hatte recht! Den ganzen Tag rede ich mit mir selbst und selbst ich weiß später nicht mehr genau, worüber ich da den ganzen Tag meine Gedanken und Gespräche geführt hab. Versuch dich mal daran zu erinnern, was dir während des Zähneputzens gestern in der Früh durch den Kopf gegangen ist, weißt du noch ganz genau was es war? Dabei ist die Art, wie wir mit uns selbst reden und mit uns umgehen das Wichtigste in der Kommunikation. Wenn wir uns noch nicht einmal daran erinnern, was wir uns den ganzen Tag selbst erzählen, wie wollen wir dann zuhören können? Wie können wir mitfühlen, wenn wir selbst unsere Gedanken nicht richtig wahrnehmen, wie wollen wir empathisch sein, wenn wir selbst uns manchmal die fiesesten Dinge über uns selbst erzählen? Und vor allem wie wollen wir mitbekommen, was um uns herum passiert, wenn wir noch nicht mal richtig mitbekommen, was genau in uns passiert? Seitdem bin ich sehr sensibel geworden für meine Gedanken. Und diese Woche war es mal wieder soweit. Meine To-Do Listen wurden irgendwie immer länger, leicht krank und angeschlagen mit einem vollen Terminkalender saß ich dann am Donnerstag bei einem Kunden. Es war ein wirklich sehr netter Termin, aber meine Aufmerksamkeit war futsch. Meine Gedanken waren schon wieder beim nächsten Termin und bei der Prüfung am Abend, die ich noch vor mir hatte. Rauf und runter ging es in meinem Kopf und was ich nicht mitbekommen hab war, was mir mein Kunde erzählt hat. Da ich ständig abgelenkt war, habe ich auch nur oberflächliche Fragen gestellt und gelächelt, aber ich war mit meiner Aufmerksamkeit definitiv nicht bei meinem Kunden. In diesem Fall war das nicht schlimm, aber wie oft passiert einem das in Momenten, die wirklich wichtig sind? In der Arbeit, mit dem Partner oder auch bei einem Flirt? Richtiges aktives Zuhören ist extrem wichtig, denn nur dann bekommt man auch wirklich mit, was der andere und vor allem wie er es erzählt und kann richtig darauf reagieren. Sobald wir mit unseren Gedanken abgelenkt sind, ist es eigentlich so als ob wir gar nicht da wären oder bekommen nur Stückchenweise mit, was der andere erzählt. Und aus diesen Stückchen bauen wir uns dann den Inhalt zusammen, was oft aber nichts mit dem zu tun hat, was da wirklich gesprochen wurde. Den Satz: Du hörst mir ja gar nicht richtig zu, hat sicher schon jeder mal zu hören bekommen. Und dabei hat das nichts mit gewaschenen Ohren zu tun 😉 Zuhören bedeutet präsent sein, mitfühlen, die Geschichte des anderen selbst zu erfahren, Neutralität und Empathie. Es bedeutet nicht, eine Lösung anzubieten oder gleich seine eigene Story daran zu knüpfen, sondern dem anderen Raum, Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Das geht aber nur, wenn wir auch Ruhe in unsere erste Kommunikationsebene bringen und uns nicht ständig selbst ablenken. Dafür sind verschiedene Faktoren wichtig, Achtsamkeit ist sicher einer der hilfreichsten. Aber es gibt auch Möglichkeiten, seine Aufmerksamkeit zu trainieren und deswegen hier nun wieder eine KommuWas Übung:

Die Laute, die wir als Sprechen wahrnehmen, kommen über Schall in unsere Ohren, dort wird das Ganze verarbeitet und wir nehmen Worte und Sätze wahr (das ist eine wirklich sehr simple Erklärung, gerne kannst du das mal googlen, wenn du es genauer wissen möchtest). Hinzu kommt, dass unser Gehirn Bilder lieber als Buchstaben und Zahlen verarbeitet. Das kannst du für dich beim Zuhören nutzen. Wenn dir jemand was erzählt, versuch es dir bildlich vor zu stellen, erlebe das Erzählte mit. Und versuche dabei, seine Emotionen zu fühlen. Das hört sich vielleicht merkwürdig an, aber ist unglaublich wirksam und das gleich in zweifacher Sicht. Zum einen bist du mit deiner ganzen Konzentration bei dem Gespräch und deine Gedanken schweifen weniger ab. Zum anderen kannst du dir Dinge, die du dir bildlich vorstellst und im Kopf miterlebst, besser merken. Für unser Gehirn macht es keinen Unterschied, ob wir etwas selbst erlebt haben oder nicht. (Dazu werde ich bald mehr schreiben) Und an Dinge, bei denen du bewusst anwesend warst, kannst du dich viel besser erinnern. Ich nutze diese Technik zum Beispiel auch ganz viel in meinem Studium und erspare mir dadurch tagelanges Lernen vor den Klausuren. Eine andere Möglichkeit ist es, Emotionen zu raten. Frag dich, wenn dir jemand was erzählt, in welcher Emotion er es dir gerade erzählt. Das ist bei extremen Situationen einfach, aber bei täglichen einfachen Gesprächen gar nicht so leicht zu erraten.

Für mich steht heute am Programm wieder in meine innere Ruhe zu kommen, damit ich wieder besser zuhören kann. Kommunikation beginnt bei dir <3

Ich wünsche dir einen wundervollen Sonntag und eine noch bessere Woche.

Deine Erika