In letzter Zeit passiert es mir oft, dass Menschen mit denen ich spreche meinen sie hätte mich ganz anders eingeschätzt. Jedes Mal wenn das passiert muss ich an 2 meiner Herzensmenschen denken, die ich beim ersten Kennenlernen überhaupt nicht mochte. Als ich sie das erste Mal gesehen habe war mir eigentlich klar, mit denen will ich nichts zu tun haben. Ihr Auftreten, Ihre Wirkung und das Bild das ich mir daraus in meinem Kopf über sie gemalt habe war mir nicht sehr sympathisch bzw. ich wollte mit solchen Tussis einfach nichts zu tun haben, und ihnen ging es damals genauso mit mir. Hin und wieder reden wir auch darüber wie unser Kennenlernen war und wie wir den anderen damals eingeteilt haben und lachen darüber, wie falsch wir mit unserer vorgefertigten Meinung waren. Heute bin ich unendlich dankbar diese beiden wundervollen Menschen in meinem Leben zu haben.

  „Don´t judge a book by it´s cover“     ist ein sehr bekannter Spruch der ganz gut passt. Und doch passiert es auch mir immer wieder das ich Menschen aufgrund ihrer Kleidung, ihres Ganges und ihrem Auftreten bewerte und einteile, ich hab dann eine vorgefertigte Meinung über sie und muss mich ganz bewusst auf eine neue Erfahrung mit ihnen einlassen. Es ist extrem spannend wie wir andere Menschen einteilen und bewerten, wir glauben das wir einen Menschen kennen wenn wir ihn sehen oder kurz mit ihm gesprochen haben. Doch kann und sollte man einen Menschen tatsächlich so strikt einordnen und sagt diese Einordnung dann wirklich was über den Menschen aus? Das frage ich mich jedes Mal aufs neue. Tatsache ist das unser Unterbewusstsein in den ersten 24 Sekunden, wenn wir jemanden sehen, schon eine Entscheidung trifft. Es dauert ca. weitere 90 Sekunden in denen wir dann die 2 Entscheidung treffen, und zwar wie wir auf diesen Menschen reagieren. Die dritte wird getroffen wenn der andere anfängt zu sprechen. Man kann also wissenschaftlich bestätigen das unser Unterbewusstsein schon vorher die Richtung vorgibt ohne dass wir das mitbekommen, es bewertet, wägt ab, ordnet den Menschen in ein Schublade ein. Wenn man auf Google Menschentypen eingibt bekommt man unglaubliche 1120.000 Ergebnisse und gleich zum Anfang auch ein paar Tests, wo man raus finden kann was man selbst für ein Typ ist. Der Grund dafür liegt tausende Jahre in der Vergangenheit, wir Modernen Menschen sind in diesem Bereich noch wie unsere Steinzeit Vorfahren. Damals war es Lebensnotwendig in kürzester Zeit zu erkennen ob der andere uns was gutes oder schlechtes will. Diese unterbewusste Einteilung hilft uns dabei die Welt zu ordnen, für uns verständlicher zu machen und eben auch unsere Reaktionen anzupassen. Es ist nicht verwunderlich warum es so viele Verschiedene Modelle gibt, sie geben uns Sicherheit und Orientierung in einer Situation die jedes Mal neu und ungewiss ist. Bisher hat das ganze ja noch nicht viel mit Kommunikation zu tun, das alles findet vor einem Gespräch statt. Doch wenn ich eins in meinem Leben über zwischenmenschliche Beziehungen gelernt habe dann, das diese Bewertung der Grundstein einer jeden Kommunikation ist. Unsere Reaktionen, Emotionen und Gespräche, wie wir auf oder mit anderen Menschen umgehen, basiert auf dieser Einteilung und Bewertung, schlicht auf dem Bild was wir von diesem Menschen in unserem Kopf haben. Dabei spielt es nur bedingt eine Rolle ob wir ihn kennen oder eben nicht. Wir glauben das wir einen Menschen einschätzen können oder wissen wie er drauf ist und genauso behandeln und sprechen wir dann mit ihm. Zum Beispiel reagieren wir genervt wenn ein Kollege kommt der meistens nur was von uns erledigt haben will, ohne schon vorher zu Wissen was er diesmal will. Wir reagieren verletzt wenn der Partner dieses eine Wort oder diesen einen Gesichtsausdruck macht oder ziehen uns zurück wenn wir in eine Situation kommen die uns Jahre zuvor schon mal verletzt hat, wir lehnen Menschen ab ohne sie zu kennen weil sie sich in einer Art geben die wir im ersten Moment nicht mögen. Und alles ist völlig unabhängig davon was diese Person im aktuellen Moment von uns möchte oder wie sie eigentlich drauf ist. Vielleicht möchte sich der nervige Kollege bedanken oder unser Gegenüber ist selber total unsicher und reagiert deswegen so komisch. Man weiß nie was oder warum Menschen sind wie sie sind, bis wir ihnen die Chance geben sie kennen zu lernen und zwar ohne Vorurteile, Schubladen und vorgefertigten Meinungen.

Deswegen hat die KommuWas Übung der Woche nur zweitrangig mit gesprochenen Worten zu tun.

Um mit Menschen zu kommunizieren ist es wichtig den Menschen zu sehen, und zwar als Individuum. Das allerdings ist aufgrund unserer Konditionierung und unserem Unterbewusstsein nicht ganz so einfach wie wir das gerne hätten. Um diesem Mechanismus zu umgehen versuch mal in der nächsten Woche wahr zu nehmen in welche Schubladen du die Menschen einteilst. Welche Charaktereigenschaften und Stimmungen glaubst du haben diese Menschen. Nutze am Anfang am besten klare Typen, meine waren bei Personen die ich nicht kannte: Arrogant, Unsicher, Selbstsicher, Fröhlich und Aggressiv. Und bei Personen die ich schon länger kannte: gut drauf, schlecht drauf, komisch, abwesend und nervig. Du kannst dir auch eigene Schubladen/Einteilungen überlegen oder einfach beobachten und es in einem Notizbuch aufschreiben. Das schöne ist du kannst diese Übung wirklich überall machen, auf Arbeit, in der U-Bahn, wenn du dich mit Freunden triffst oder beim Einkaufen. Versuch dir nur bewusst zu machen wie und nach welchen Kriterien dein Unterbewusstsein andere Menschen einteilt. Diese Übung hört sich vielleicht im ersten Augenblick sehr komisch und oberflächlich an, aber wie oben schon beschrieben findet diese Einteilung völlig automatisch statt. Es ist nichts schlechtes und auch absolut nichts verwerfliches es mal bewusst zu beobachten. Es wird dir helfen die Mechanismen deines Unterbewusstseins besser kennen zu lernen und so anders auf Menschen zu zugehen und zu kommunizieren.

Wenn du fragen hast kannst du mir sehr gerne schreiben.

Deine Erika <3